Fischer, Leopold
geb. 1901 Bielitz (Polen) – 1975 Los Angeles gest.
Geboren am 28. April 1901 in Bielitz in Österreichisch-Schlesien (heute Bielsko-Biala, Polen), studierte Leopold Fischer 1918 bis 1921 an der Technischen Hochschule Wien und parallel dazu an der privaten Bauschule von Adolf Loos. Bereits 1920 wurde Fischer dessen Mitarbeiter und war u.a. auch in den Bau der 1921–1924 realisierten „Mustersiedlung Heuberg“ involviert. Hierdurch lernte Fischer den Gartenreformer Leberecht Migge kennen – eine fruchtbare Zusammenarbeit begann: 1924 baute Fischer Migges Sonnenhof in Worpswede um, 1925 beteiligte er sich mit diesem an der von Bruno Taut organisierten Ausstellung „Heim und Scholle“ in Braunschweig. Die dort präsentierten Typenhäuser ergänzten Migges innovative Gartenkonzepte kongenial und das Größte avancierte zum Prototyp der vor allem in Dessau-Ziebigk realisierten Doppelhäuser.
Vermutlich war es Migge, vielleicht aber auch Bruno Taut, der den jungen Fischer 1925 ins private Baubüro von Walter Gropius in Dessau vermittelte. Erst im Frühjahr 1925 war Gropius mit dem Bauhaus von Weimar nach Dessau umgezogen. Unvermittelt sah er sich mit der Aufgabe konfrontiert, die dortige Wohn- und Siedlungsfrage zu lösen. Fischer schien hierfür der geeignete Mann zu sein. Und tatsächlich, unter ihm begann die Versuchssiedlung Dessau-Törten Gestalt anzunehmen. Doch die Zusammenarbeit endete rasch im Streit. Zu unterschiedlich die Auffassungen vom Bauen, zu unterschiedlich die Charaktere. Doch Fischer blieb in Dessau, wechselte zum Anhaltischen Siedlerverband und realisierte als deren Chefarchitekt ab 1926 zahlreiche Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus – in direkter Konkurrenz zum Bauhaus. Über 300 Typenhäuser entstanden für Siedlungen in und um Dessau (neben Dessau-Ziebigk auch Klein-Kühnau, Coswig, Zerbst, Köthen und Bernburg).
1931 endete Fischers Laufbahn als Siedlungsarchitekt jäh, als der Anhaltische Siedlerverband Konkurs anmelden musste. Fischer war in wirtschaftlich kritischen Zeiten gezwungen, sich neu zu erfinden. Von nun an konzentrierte er sich auf den Bau von Einfamilienhäusern für den gehobenen Bedarf. Dies war für ihn keineswegs Neuland: Bereits 1927/28 hatte er für die Modistin Hedwig Liebig ein Atelier- und Wohnhaus mit Flachdach nach dem Raumplan-Konzept von Adolf Loos erbaut. Mit diesem eng verwandt sind das 1933 im westfälischen Werther erbaute Haus für den Arzt Dr. Steinborn mit Praxis und das kurz zuvor 1932 in Bielefeld für den Leiter der Volkshochschule Dr. Paul Tittel errichtete Haus. Weitere Wohnhäuser folgten in Stuttgart, Kronach und Berlin. Im September 1936 schließlich emigrierte Fischer in die USA. Nach einem kurzen Intermezzo bei Frank Lloyd Wright in Taliesin ist es ihm gelungen, in Los Angeles als selbständiger Architekt Fuß zu fassen. Über 40 Projekte, zumeist Wohnhäuser, lassen sich nachweisen. Etwa das Haus Ralph und Phyllis Kohlmeier, erbaut 1940–41 in South Pasadena oder das Haus Adolphe und Mary Slechta von 1950–51 in View Park, Los Angeles. 1975 stirbt Fischer von der Fachwelt unbemerkt in Los Angeles.