Knarrbergsiedlung – Windmühlenstr. 38, Dessau
Die Knarrbergsiedlung in Dessau-Ziebigk entstand 1926–1929 im Auftrag des Anhaltischen Siedlerverbandes mit über 180, meist als Doppelhäuser und zweigeschossig ausgeführten Typenhäusern. Diese entsprachen dem räumlichen und funktionalem Konzept der Selbstversorgung, ein Gedanke, der in der Lebensreform wurzelte. Der von Leberecht Migge konzipierte Garten war bei der Übergabe des Hauses bereits fertig bepflanzt und bildete mit dem Wohnhaus eine funktionale und gestalterische Einheit. Der ganzheitliche Ansatz wird durch den Entwurf der passenden Typenmöbel unterstrichen.
Durch oberflächliche Ähnlichkeiten wie der kubischen Bauweise mit Flachdach wurde die Siedlung am Knarrberg schon früh als „Bauhaus-Siedlung“ verkannt. Ein Umstand, den der Architekturkritiker Hans Josef Zechlin schon 1929 in seiner Besprechung der Siedlung in den Wasmuths Monatsheften bemängelte. Im Gegenteil, das Aufbauschema der Häuser der Siedlung Dessau-Törten habe sich an Loos‘ Prinzipien wie dem „Haus mit einer Mauer“ orientiert, erkannte Zechlin. Doch während Dessau-Törten als vorbildlich für kostensparendes und funktionelles Bauen zum UNESCO-Weltkulturerbe Bauhaus zählt, geriet Fischers Werk in Vergessenheit. Schlimmer noch: Es wurde in der öffentlichen Wahrnehmung dem Bauhaus zugeschlagen. Ironie des Schicksals: Es war Fischer, der die Siedlung Törten 1928-29 fertigstellte, nachdem Gropius das Bauhaus verlassen hatte. Von Fischers 65 dort geplanten Doppelhäusern wurden 30 fertiggestellt.

