Trauerhalle Halle / Saale
Ende der 20er Jahre baute die Jüdische Gemeinde in Halle/S. auf dem Friedhof in der Dessauer Straße (früher Boelkestraße) eine Trauerhalle. Den Auftrag vergab sie an den in Leipzig ansässigen Architekten Wilhelm Haller. Bekannt wurde Haller unter anderem durch seine Friedhofsbauten in Leipzig. Sie wurden zu den bedeutendsten Architekturzeugnissen des Expressionismus.
„1928/29 verwirklichte Wilhelm Haller ein weiteres Friedhofsgebäude auf dem neu angelegten Friedhof der Jüdischen Gemeinde Halle an der Saale in der Dessauer Strasse. Trauerhalle und Nebenräume sind hier zu einer kompakten baukörperlichen Einheit zusammengefasst, auf eine überhöhende Kuppel und reiche Ornamentik wird zugunsten größerer Strenge verzichtet. Das Rautenmuster des höheren Kernbaus, gebildet aus dunklen Ziegelstreifen vor hellem Putz, machte diese Bauwerk sehr auffällig und die gezackten Formen, zum Beispiel der Attiken, ordnen es dem expressionistischen Bauten zu.“ (1)
Am 20. N0vember 1929 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht.
Nach der Progromnacht am 9. November 1938 wurde eine Begräbnisecke für Urnen eingerichtet, die den Angehörigen aus den Konzentrationslagern zugeschickt wurden.
1939 weist die Geheime Staatspolizei die Entfernung der expressionistischen Fassade an. Die Trauerhalle wurde innen so umgebaut, dass sie von da an als Sammel- und Aufnahmelager für Juden aus der Stadt Halle diente. In das Haus wurden auch Juden aus dem Westen des Deutschen Reiches deportiert. Von nun an war die Trauerhalle Sammelpunkt für die Deportation in die deutschen Konzentrationslager.
Anwohner beschwerten sich über „frei herumlaufende Juden“ die an den zwangsverordneten „Judensternen“ erkannt wurden. (2)
Nach 1945 zeitweilige Nutzung als Behindertenheim. In den 50er Jahren Rückgabe an die Jüdische Gemeinde. Das Gebäude war in desolatem Zustand. Nach einer Renovierung wird das Gebäude bis heute wieder als Trauerhalle genutzt. Von außen
erinnert das Haus in nicht mehr an den ursprünglichen Zustand wie ihn Wilhelm Haller entworfen hatte.
Eine zwischenzeitliche Initiative den ursprünglichen Zustand, insbesondere die Fassade, wieder herzustellen verlief im Sande.
Wilhelm Halle emigrierte 1933 nach Palästina. Sein befreundeter Architektenkollege Richard Thiele schreibt an die Gemeinde in Halle u.a.: „….mein Freund und Kollege Wilhelm Haller hat Leipzig verlassen, um sich in Tel Aviv (Bialik Str. 26) eine neue Zukunft aufzubauen.”
Hallers Bauten in Tel Aviv auf dieser Webseite “Bauten in Israel – 20er und 30er Jahre”
historische Fotos: Archiv der Jüdischen Gemeinde Halle/S.
Dank an die Jüdische Gemeinde in Halle/S. für die Übermittlung der historischen Dokumente, Entwürfe und Fotos.
Quellen:
(1) Ulrich Knufinke, Wilhelm Haller – Ein Leipziger Architekt in Tel Aviv
(2) Heidi Bohley, Verein Zeit-Geschichte(n) Halle/S.
sowie Jutta Dick, Marina Sassenberg, Wegweiser durch das Jüdische Sachsen-Anhalt
markus hawlik-abramowitz

