Guided Tours 2015

Wir laden ein zur Architekturführung zum Tag des offenen Denkmals 2015
Kupferhaus, Schorlemer Allee 16, 

Thema der Denkmaltage 2015: Handwerk, Technik, Industrie
Führung: Marie-Josée Seipelt und Dr. Günter Schlusche
Samstag, 12. September 2015, um 14:00 Uhr
Treffpunkt: Schorlemer Allee 16
Verkehrsverbindungen: U-Bahnhof Breitenbachplatz
Kontakt: guenter.schlusche@web.de

Bericht von Marie-Josée Seipelt

Das Kupferhaus in der Schorlemer Allee ist eines der wenigen, noch erhaltenen Kupferhäuser in Deutschland. Weitere stehen in Israel.
Erst kürzlich wurde es nach dem Erwerb von der jetzigen Eigentümerin mit Unterstützung des Architekten Jan Bassenge aufwendig instandgesetzt.

Die Häuser wurden von der seit 1863 in Eberswalde/Finow, wo sich übrigens noch weitere befinden, ansässigen Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG produziert und vertrieben. Die Wandtafeln waren vorgefertigt, wurden am Bauplatz montiert und dort mit einem hölzernen Dachwerk versehen. Das erste Gebäude wurde auf diese Weise 1931 errichtet.
Bereits 1924 hatte der Ingenieur Friedrich Förster ein Patent für die Konstruktion der Tafeln angemeldet, deren Weiterentwicklung er sich zusammen mit Robert Krafft 1930 patentieren ließ.
Die einzelnen Wandtafeln, raumhoch und auf ein Raster von 50 cm bezogen, haben beidseitig ornamental gestanzte Kupferbleche, die auf ein hölzernes Rahmenwerk geschraubt sind. Für die Zwischenwände ist ein Bandraster d=12 cm eingeschoben. Die Deckenplatten haben den gleichen Aufbau.
Manchmal wurden im Inneren ausschließlich Stahlbleche verwandt. Innen waren die Oberflächen lackiert, das Äußere sowie die Dachhaut waren kupfersichtig belassen.
Besonderes Augenmerk galt dem Aufbau der äußeren Wände, deren Kälte- bzw. Wärmeisolierung nach dem Thermoskannen – Prinzip funktioniert. Zwölf stehende Luftschichten sind durch auf Pappen kaschierte Bleche/Aluminiumfolien getrennt. Fenster waren vor der Montage bereits in den Tafeln eingesetzt, ebenso Konsolen für die Küchen- und Sanitärobjekte.

In Folge der Weltwirtschaftskrise geriet die HKM AG in Bedrängnis und die Gläubigerbanken übernahmen 1932 die Anteile Siegmund Hirschs, nachdem er von seinen Aufgaben als Vorstandsmitglied zusammen mit René Schwartz, dem Schwiegersohn Aaron Hirschs, dem Firmengründer, entbunden worden war. Im selben Jahr gründete René Schwartz die Deutsche Kupferhausgesellschaft (DKH). Die HKM AG, ab 1932 nicht mehr im Besitz der Familie Hirsch, existierte weiter. Nach und nach wurden die jüdischen Mitglieder des Vorstandes und der Geschäftsführung aus ihren Positionen gedrängt. 1941, die HKM befand sich nun vollständig im Besitz der AEG, erhielt die Firma einen neuen Namen: Finow Kupfer- und Messingwerke.

Das Haus Schorlemer Allee 16 konnte, in Anbetracht des regen Besucherinteresses, es waren ca. 40 Personen bei schönstem Wetter erschienen, leider nur von außen besichtigt werden; schließlich wird es als privates Wohnhaus genutzt.
Günter Schlusche begrüßte die Anwesenden, indem er die GjA und ihre Ziele vorstellte. Im Anschluss referierte er zur Firmengeschichte der HKM AG. Schließlich erläuterte Marie-Josée Seipelt den Bau und seine Geschichte. Fragen aus der Besucherschaft verwandelten die Vorträge in ein anregendes Gespräch.

Weiteren Interessierten erläuterte Günter Schlusche noch die von den Brüdern Luckhardt und Alfons Anker entworfenen Häuser Schorlemer Allee 13 – 23 A und 12 – 14. Der jüdische Architekt Alfons Anker schied 1933 aus der Sozietät aus und musste nach Erteilung eines Berufsverbotes 1939 nach Schweden emigrieren, wo er 1958 starb.

Literatur zu den Kupferhäusern:
Friedrich von Borries, Jens – Uwe Fischer, Heimatcontainer – Deutsche Fertighäuser in Israel, Frankfurt a. M. 2009