Villa Kral

Die markante kubische Villa wurde in den Jahren 1931 und 1932 in Prachatice (Prachatitz) nach den Plänen des jüdische Architekt Fritz Reichl erbaut. In der Villa Kral sehen manche Forscher den nüchternen Stil eines  Peter Behrens aufgegriffen, andere verweisen auf Adolf Loos und die Wiener Schule. Der Bauherr Johann Nepumuk Kral bewohnte das Anwesen mit seiner Familie bis zum 21. Mai 1945. Danach zog ein amerikanischer General ein, der hier mit einem russischen General das Kriegsende feierte. Im Anschluss diente das Haus als Kinderhort. Nach Auflösung dieser Nutzung stand die Villa leer und verfiel.

Nachdem die Villa Kral lange dem Vandalismus preisgegeben war, etablierte sich in den letzten beiden Jahren eine Initiative zu ihrem Erhalt: Studenten mieteten das Areal und engagierten sich dafür, den Bestand zu sichern sowie den architekturgeschichtlichen und gestalterischen Wert des Bauwerks wieder sichtbar zu machen: In Eigenleistung beseitigten sie den Unrat aus den Zimmern, flickten Scheiben, reparierten die Wasserführung und beräumten das Außengelände.

Den Initiatoren gelang es, mit verschiedenen kulturellen Veranstaltungen in der Villa, das Interesse für den Erhalt des modernen Bauwerks zu wecken. Ein Förderverein unterstützt dieses Vorhaben mit etwa 800 Mitgliedern. Schließlich konnte das Kultusministerium in Prag von der architektonischen Bedeutung des Hauses überzeugt werden: Die Villa Kral wurde unter Denkmalschutz gestellt. Mit dieser Anerkennung werden auch die Aktivitäten der Initiatoren Pavla Zelenková und Barbora Staňková gewürdigt. Der Bürgermeister von Prachatice hat gegen die Entscheidung des Kultusministeriums Einspruch erhoben, um die Villa abzureißen zu können. An ihrer Stelle soll eine neue Straße entstehen.

Dr. Hans Kral, 13.8.17

Der Beitrag wurde erstmals veröffentlich im Online-Magazin „moderneREGIONAL“:
moderne-regional.de/villa-kral-in-prachatice

 

Literatur
Meder, I., Offene Welten. Die Wiener Schule im Einfamilienbau 1910 – 1938, Dissertation, Pforzheim, 2004.
Erbanová, E./Šilhan, M./Švácha, R., Berühmte Villen in Südböhmen, Prag 2007 (in tschechischer Sprache).

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