Kant-Garagen
Die Kant-Garagen waren das erste Parkhaus Berlins und einer der ersten für das Auto errichteten Technikbauten, der auch heute einen besonderen Rang hat. Der stark vernachlässigte, aber in vielen Details original erhaltene und genutzte Bau wurde von dem jüdischen Ingenieur und Geschäftsmann Louis Serlin in Auftrag gegeben, der in den USA die Bedeutung des Autoverkehrs für die Stadt erkannte. Für den Entwurf des Parkhauses waren 5 Architekten verantwortlich, in der Literatur wird jedoch Hermann Zweigenthal als hauptverantwortlich genannt – zusammen mit seinem Studienkollegen Richard Paulick, der später als Architekt in der DDR große Bedeutung erlangte. Das Parkhaus war für 300 Autos konzipiert, die versetzte Anordnung der Rampen zwischen den 6 Geschossen war beispielhaft für viele spätere Hochgaragen. Die Tankstelle, der Autohandel und weitere Werkstattflächen im Inneren zeigen, dass das Nutzungskonzept bis heute funktioniert. Das Gebäude ist als Stahlbetonskelett konstruiert und hat eine damals Aufsehen erregende Straßenfassade im Geist der Neuen Sachlichkeit, ebenso wie die zur S-Bahn gerichtete Südfassade, die aus horizontal gegliederten Glaselementen besteht. Louis Serlin wurde 1938 enteignet und musste 1939 in die USA emigrieren. Nach 1945 kehrte er nach Berlin zurück und bewirtschaftete das Haus wieder.
