Harms-Haus („Meißener Kachelhaus“)

Mit dem 1928 eröffneten „Lebensmittelhaus Harms“ gelang Löwenthal der Durchbruch als Architekt. Bauherr des damals Aufsehen erregenden Wohn- und Geschäftshauses war Wilhelm Harms, der seinen Freund Löwenthal 1927 mit der Planung beauftragt hatte. Während die Erdgeschosszone des Ladenlokals durch große Schaufensteröffnungen optisch weitgehend aufgelöst wird, ist das Obergeschosse mit dem die Ecke betonenden Erker kompakt gehalten. Obwohl das Gebäude vor allem durch die Dachgestaltung Elemente eines traditionellen Wohnhauses der Zeit aufweist, war die Leitidee die eines Innen und Außen abwaschbaren „Lebensmittelhauses“, eines reinen „Zweckbaus“. Daher rührt auch die vollständige Fassadenverblendung mit seegrünen und grauen Meißener Keramikplatten, die sich teils im Innern fortsetzt. Nicht zuletzt hierdurch zählt das heute als „Meißener Kachelhaus“ bekannte Gebäude zu den stadtbildprägenden Bielefelds.

Aus Kostengründen konnte die ursprünglich geplante dreigeschossige Bauweise nicht realisiert werden. Auf diesen Umstand spielt ein in die Fassade integrierter, augenzwinkernder Sinnspruch an, mit dem sich Bauherr und Architekt namentlich in den Bau „eingeschrieben“ haben. Allerdings wurde Löwenthals Namenszug von den Nazis abgeschlagen. Es ist seinen Töchtern zu verdanken, dass der Name ihres Vaters 1979 endgültig wieder ergänzt werden konnte und zumindest mit diesem, 1985 in die Denkmalliste eingetragenen Bau nun dauerhaft verbunden bleibt.