Bauten in Israel aus der Zeit des Britischen Mandats
Man schließt uns aus vom Gnadentisch, von der Menschenwürde, von der Menschlichkeit. Also muß man sich freimachen und diesem Kreis den Rücken kehren. Erich Mendelsohn an seine Frau Luise, 3. Februar 1933
“….. Die ganze Welt freut sich – und mit ihr alle Juden – wenn sie beispielsweise an der Riviera (Tel Aviv) ungestraft unter Palmen wandeln kann….. „ schreibt der von Leipzig nach Palästina emigrierte Architekt Wilhelm Haller in einem Artikel „Stadt-Architektur für Tel Aviv“ 1935
In Palästina fanden bis Mitte der 40er Jahre rund 150 Architekten eine neue Heimat. Viele waren Absolventen deutschsprachiger Universitäten. In den 10er und 20er Jahren kamen schon ca. 20 Architekten als Zionisten um das neue Land aufzubauen. Einer der ersten war der Berliner Architekt Alexander Baerwald.
Der Architekt und Städteplaner Arieh Sharon reiste von Palästina nach Deutschland, um von 1926 am Bauhaus in Dessau zu studieren. In der Bauabteilung unter Hannes Meyer schloß er 1929 als einer der ersten Studenten sein Studium ab. Anschließend arbeitete er im Berliner Büro von Hannes Meyer. 1931 kehrte Sharon nach Palästina zurück und war maßgeblich am Aufbau von Tel Aviv beteiligt.
Ebenfalls am Bauhaus studierte der Architekt Chanan (Hans-Hermann) Frenkel. Der in Halle/Saale geborene ging 1929 als Zionist nach Palästina, um 1930 nach Dt. zum Studium am Bauhaus zurück zukehren. 1933 kehrte er nach Palästina zurück.
In den Jahren bis 1933 übersiedelten in mehreren Einreisewellen vorwiegend aus den Osteuropäischen Staaten Juden nach Palästina. Der Ausschluss aus wichtigen Bereichen der Wirtschaft und antijüdische Übergriffe primär in Russland bzw. der Sowjetunion und Polen, waren der Hauptgrund nach Palästina auszuwandern. Zu Beginn der 30er Jahre stieg die Einwanderung in Folge der Diskriminierung in Deutschland stark an. Bis zum Beginn des Krieges flüchteten bis 60.000 Juden nach Palästina. Unter ihnen viele Architekten. Die Bevölkerung wuchs an, Wohnungen wurden gebraucht, Architekten hatten reichlich Aufträge.
Myra Warhaftig schrieb dazu in einem Artikel „Die gebaute Hoffnung“ für die Zeitschrift „tain“ u.a.:
Mit der Masseneinwanderung der vor dem Nazi-Regime fliehenden Juden aus Mittel- und Osteuropa Juden änderten sich ab 1933 die Verhältnisse in Palästina entscheidend. Städte dehnten sich aus, neue Dörfer und Kibbuzim wurden gegründet, Wohnsiedlungen, Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude, Theaterbauten und Konzertsäle mussten gebaut werden. Die Aufgabe diese Planung vorzunehmen, wurde vor allem den Absolventen deutscher Universitäten aufgetragen, deren Zahl auf 130 stieg, als sie der Verfolgung entkamen und im Land Zuflucht fanden“.