Rother, Leopold

geb. 1894 Breslau – 1978 Bogota gest.

Sämtliche Informationen über Leben und Werk des deutschsprachigen, jüdischen Architekten Leopold Rother stammen aus der Dissertation von Ernesto Vendries Bray, die unter dem Titel „Leopold Rother und die moderne Bewegung in Kolumbien“ am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt veröffentlicht wurde.Die Eltern von Leopold Rother, der Kaufmann Georg Rother und seine Frau Hedwig, geb. Cuhn, waren beide jüdischer Konfession. Leopold Rother wurde 1902 evangelisch getauft. 1913 schließt er das städtische Gymnasium St. Maria Magdalena in Breslau mit dem Abitur ab und beginnt in Karlsruhe Architektur zu studieren.

1914 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und erhält 1917 das Eiserne Kreuz II. Klasse

1919 setzt er sein Architekturstudium in Breslau fort und wechselt dann an die Technische Hochschule nach Berlin (Charlottenburg)

1920 schließt er sein Diplom ab mit „summa cum laude“ und beginnt als Bauführer in Berlin zu arbeiten

1923 wird er nach bestandener Staatsprüfung zum Regierungsbaumeister ernannt und nach Kiel versetzt, wo er das Amtsgericht und das Gefängnis für Oldenburg entwirft und als Bauleiter für diese Gebäude arbeitet

1926 wird er nach Clausthal-Zellerfeld versetzt, wo er für die Bergakademie (heutige TU Clausthal) u.a. die Aula Magna und die Schwimmhalle entwirft.

1927 heiratet er die Musiklehrerin Susana Treuenfels, mit der er zwei Kinder hat (Hans, geb. 1928, und Anna, geb. 1931)

1930 wird er nach Brandenburg/Havel versetzt als Bauleiter der dortigen Strafanstalt.

1935 wird er aus dem preußischen Staatsdienst entlassen, da er trotz seiner evangelischen Religionszugehörigkeit als „Volljude“ im Sinne der Nürnberger Gesetze gilt.

1936 emigriert er nach Kolumbien, wo er als Architekt im Bauministerium angestellt wird.

1961 beendet er nach 25 Jahren im Dienst seine Arbeit im Ministerium und widmet sich ganz seiner Lehrtätigkeit an der Universität Bogota

1978 stirbt Leopold Rother in Bogota

Dass Leopold Rother bis Ende 1935 als Architekt in Deutschland arbeiten und auf diese Weise Berufserfahrung sammeln konnte, ist für sein berufliches Fortkommen in der Emigration außerordentlich wichtig gewesen. Im Gegensatz zu anderen Architekten jüdischer Abstammung, die 1933 de facto mit einem Berufsverbot belegt worden waren, konnte er im preußischen Staatsdienst verbleiben, weil ihm im 1. Weltkrieg das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen worden war.

Dass er bereits 1936 mit Frau und Kindern offiziell ausreisen und damit weiteren Repressalien und der Verfolgung entgehen konnte, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken: Der Bruder seiner Frau, ein Kaffeeimporteur, hatte im Kolumbianischen Konsulat in Hamburg eine Anzeige gelesen, „dass die Dienste von Architekten für die Bauleitung Nationaler Gebäude in Bogota gesucht würden“.

Im Mai 1936 reiste Rother mit dem Schiff nach Kolumbien, seine Frau folgte mit den beiden Kindern 3 Monate später. Bereits im Juli 1936 wurde er als Architekt „der Technischen Abteilung der Generaldirektion für Nationale Gebäude“ angestellt. Im Laufe der folgenden 25 Jahre wird er federführend bei Planung und Bau von Universitätsgebäuden und anderen Bildungsbauten in Bogota und anderen Städten tätig sein, bis er im Alter von 67 Jahren seine Arbeit beim Bauministerium beendet. Ab 1952 übt er außerdem Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten in Bogota aus.