Löwenthal, Paul Gershon

geb. 1890 Eberswalde – 1941 nach Riga deportiert, dort 1943 ermordet / gest.

Paul Löwenthal                                Dr. Ute Reuschenberg, Mai 2025

Paul Gershon Löwenthal, geboren 1890 in Eberwalde, studierte 1910 bis 1914 in Berlin Architektur. 1919 ließ er sich nach seiner Hochzeit mit Selma Schönfeld in Bielefeld nieder, wo er sich 1920 als Architekt selbständig machte. Wenig ist über sein Schaffen bekannt. 1927 scheint er (erstmals?) größere Aufmerksamkeit für seinen Wettbewerbsbeitrag zum Hauptgebäude der Stadtsparkasse Bielefeld erlangt zu haben (Kennwort „Gesteigerte Front“). Nach Löwenthals Tochter Karen Gershon soll das 1929 eröffnete Gebäude nach den Plänen ihres Vaters, allerdings unter dem Namen des (nicht-jüdischen) Zweitplatzierten erbaut worden sein. Ungeachtet dieser vielleicht nie ganz zu klärenden Sache, markiert Löwenthals Schlüsselwerk, das 1927-28 realisierte Harms-Haus („Meißener Kachelhaus“), einen Durchbruch mit weiteren lukrativen Folgeaufträgen: 1931 plante er gegenüber der Rudolf-Oetker-Halle ein an dieses angepasstes „monumentales“ Wohn- und Geschäftshaus, ein Jahr später baute er das Friedmann‘sche Kaufhaus zum modernen (Sera-)Kaufhaus um – mit der ersten Rolltreppe der Stadt.

1933 endete Löwenthals erfolgreiche Laufbahn abrupt. Der Boykott jüdischer Geschäfte zwang ihn, seine Geschäfte aufzugeben. Neben seiner Arbeit als Architekt war davon auch seine seit 1922 ausgeübte gutachterliche Tätigkeit als gerichtlich beeidigter Sachverständiger für bautechnische Fragen betroffen.

Im Dezember 1941 werden Paul Löwenthal und seine Frau Selma nach Riga deportiert. Er wird dort 1943 ermordet, seine Frau kam dort vermutlich 1944 ums Leben

Einzig die drei Töchter Anne (1921-1943), Lise (1922–2003) und Käthe Löwenthal (1923–1993) überlebten den Holocaust durch Kindertransporte nach England. Während Anne nach einer schweren Krankheit bereits 1943 als junge Frau im Dienst der Royal Army in Bristol verstarb, wurden sowohl Lise, später Lise Loewenthal-Montecorboli als auch Käthe, Künstlername Karen Gershon, erfolgreiche Schriftstellerinnen.

 Literatur

Myra Warhaftig, Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933 – Das Lexikon. 500 Biographien, Berlin 2005, S. 335-338

Karen Gershon, Das Unterkind. Eine Autobiografie, Düsseldorf 2023 (Neuauflage der Erstausgabe von 1992 mit einem Nachwort von Naomi Anne Shmuel)

Naomi Anne Shmuel, The Legacy of Karen Gershon. Child Survivor to Author and Poet, Cambridge 2024

 Spurensuche Bielefeld 1933-1945 (Online-Portal des Stadtarchivs Bielefeld, „Paul und Selma Löwenthal – Rettung der drei Töchter“ httpss://spurensuche-bielefeld.de/spur/paul-und-selma-loewenthal-rettung-der-drei-toechter/ (abgerufen am 25. März 2025)