Veranstaltungen und Publikationen

20. September 2007
Pentagram Design Berlin:  Ausstellung und Präsentation der “Pentagram Papers 37 – Forgotten Architects”
Die Publikation basiert auf dem Buch von Myra Warhaftig „Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933 – Das Lexikon“.

15. September 2007
Ein Stolperstein für Dr. Curt Bejach, geboren 1890
Deportiert am 10.1.1944 nach Theresienstadt, ermordet am 31.10.1944 in Auschwitz

Der Stolperstein ist vor dem Landhaus Dr. Bejach, erbaut 1927/28 von Erich Mendelsohn, Berlin Steinstücken, Bernhard Beyer Straße 12, ins Gehwegpflaster eingelassen.

8. September 2007
Führung von Dr. Myra Warhaftig und Dr. Günter Schlusche zum Tag des offenen Denkmals 2007
um 15:00 Uhr

Ehemalige Wolfenstein‐Synagoge, Berlin Steglitz, Hermann Ehlers Platz
1897 liess der Kaufmann Moses Wolfenstein aus einem ehemaligen Stallgebäude seines Grundstückes, 1872‐73 von C.Kuhligk entworfen, eine neue Synagoge für die Steglitzer jüdischenGemeinde durch Johann Sinnig errichten. Schon bald bekam die Synagoge zu Ehren ihres Stifters den Namen „Wolfenstein‐Synagoge“. Heute ist sie eine der wenigen erhaltenen Vereinssynagogen Berlins. Durch die Initiative Haus Wolfenstein konnte der Bau vor dem Abriss bewahrt werden. Heute wird er restauriert als Bürobau genutzt und ist nicht öffentlich zugänglich.

19. Mai 2007
Stadtführung von Ulf Meyer:
Die neue Bibliothek von Norman Foster auf dem Campusgelände der Freien Universität und der
renovierte Henry‐Ford‐Bau in Berlin Dahlem
Treffpunkt:  Haupteingang an der Thielallee / Habelschwerdter Allee um 14:00 Uhr

10. September 2006
Führung von Claudia Marcy und Dr. Günter Schlusche zum Tag des offenen Denkmals 2006 um 14:00 Uhr
Ehemalige Werkzeugmaschinenfabrik Herbert Lindner – Fabrik im Grünen

Die Werkzeugmaschinenfabrik Lindner, die zu den seltenen Beispielen einer „Fabrik im Grünen“
gehört, wurde ab 1932 von dem jüdischen Baumeister Martin Albrecht Punitzer erbaut und
nach dessen Arbeitsverbot 1935‐40 von Hoppe & Simon erweitert. Der parkartig angelegte
Garten wurde von Ludwig Lesser und dessen Sohn Richard entworfen. Maßgeblich für die
Planungen war die Verbindung zwischen produktionsbedingter Zweckmäßigkeit und
erholsamer Schönheit. In der Führung soll neben dem Fabrikbau und der teilweise erhaltenen
Gartenanlage auch das Werk des jüdischen Architekten Punitzer und der jüdischen
Landschaftsplaner Lesser vorgestellt werden.

19. Januar 2006
Buchpräsentation in der Akademie der Künste Berlin, Hanseatenweg 10:
Myra Warhaftig  „Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933 – Das Lexikon“, 2005 Dietrich Reimer Verlag Berlin

Redner:
Professor Dr. Vladimir Slapeta (Prag / Olmütz), Vizedirektor (Baukunst) Akademie der Künste
Klaus Meier‐Hartmann, Vizepräsident der Architektenkammer Berlin
Dr. Cram, Inhaber des Dietrich Reimer Verlages, Berlin
Beate Behrens, bisherige Leiterin des Dietrich Reimer Verlages, Berlin
Dr. Günter Schlusche, Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens jüdischer Architekten e.V.
Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
Professor Dr. Christoph Stölzl, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Israel‐Museums Jerusalem und Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses

11. September 2005
Führung von Dr. Myra Warhaftig und Dr. Günter Schlusche zum Tag des offenen Denkmals 2005 um 14:00 Uhr
Ehemalige Villa Eugen Bab, Berlin Wilmersdorf, Konstanzer Strasse

1922 bat der Bankier Eugen Bab in einem Brief an seinen Freund, den jüdischen Architekten Harry Rosenthal, ihm für seine Familie auf seinem Grundstück in Wilmersdorf ein Haus zu bauen und legte dem Brief einen Blankoscheck bei. So entstand 1923/24 die expressionistische Villa, in der es neben repräsentativen Wohnräumen, mehrere Schlafzimmer, ein Turnzimmer mit Bad, ein Schwimmbad und eine Privatsynagoge gab. Im Zweiten Weltkrieg wurde das expressionistische Dach teilweise zerstört und ist heute nur noch in Rudimenten erhalten. Zwar steht das Gebäude jetzt unter Denkmalschutz, doch wurde vorher sehr viel daran verändert.
Die für das Ehepaar Bab mit Tochter gebaute Villa wurde in zehn Wohnungen aufgeteilt und das ehemalige Schwimmbad und die Privatsynagoge zu einer Ballettschule umgebaut. Außerdem gibt es nun mehrere Läden im Erdgeschoss. Bei der Führung werden historische Archivmaterialien der Ansichten und Innenräume gezeigt.

12. September 2004
Führung der Architektin Celina Cress zum Tag des offenen Denkmals 2004
Blockhaussiedlung „Sommerfelds Aue“, Berlin Zehlendorf, Im Kieferngrund

Der jüdische Architekt und Bauunternehmer Adolf Sommerfeld hatte die Planung für die 1922/23 realisierte Blockhaussiedlung bereits 1918/19 begonnen, wobei sein besonderes Interesse planerischen und technologischen Rationalisierungsmethoden galt. Das Ensemble im Grünen, als ein soziales Projekt angelegt, war mit seinem Baukastensystem und seiner ökologisch anspruchsvollen Bauweise revolutionär zu nennen. Hervorzuheben ist die ständige Zusammenarbeit Adolf Sommerfelds mit anderen Architekten, wie es auch an den vier Wohnhäusern gegenüber dem Kieferngrund zu erkennen ist, die 1923 von Erich Mendelsohn
und Richard Neutra errichtet wurden. Nach 1945 kehrte Adolf Sommerfeld, der sich dann Andrew Sommerfield nannte, nach Deutschland zurück und betätigte sich wieder im Wohnungs‐ und Siedlungsbau.

21. August 2004
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig:
Drei Landhäuser des jüdischen Architekten Fritz Crzellitzer in der Stubenrauchstraße in Berlin-Zehlendorf

Der 1876 in Berlin geborene und 1942 in Tel Aviv gestorbene Architekt Fritz Crzellitzer hat 1907 in der Stubenrauchstraße als seine vermutlich ersten Bauwerke zwei nebeneinander liegende Wohnhäuser errichtet – eines für seine Mutter und seine Geschwister und das andere für sich und seine junge Familie. Zwanzig Jahre später wohnte und arbeitete er dann in seinem von ihm 1928 in der gleichen Straße erbauten Landhaus mit Atelier, bis er 1934 mit seiner Familie Deutschland verlassen musste. Diese Führung erinnerte auch an den 100. Geburtstag des Architekturhistorikers Julius Posener, für dessen Vater Fritz Crzellitzer 1909 ein Wohnhaus in Berlin Lichterfelde errichtet hatte.

14. September 2003
Führung von Dr. Günter Schlusche zum Tag des offenen Denkmals 2003 um 12:00 Uhr
Thema: Geschichte und Kunst hautnah – Wohnen im Denkmal
Landhaus Dr. Bejach, Berlin Zehlendorf (Steinstücken), Bernhard Beyer Straße 12

Der Architekt Erich Mendelsohn entwarf 1927 das Wohnhaus mit Hausgarten für den Arzt Dr. Bejach und seine Familie. Das im Süden Zehlendorfs (zu West Berliner Zeiten die Exklave Steinstücken) gelegene Gebäude ist ein zweigeschossiger Landhausbau in kubischer Form. Die Fassade wird durch den Wechsel von Putz‐ und Ziegelschichten in spannungsvoll gelagertem Charakter und durch raumgreifende Pergolen verstärkt. Durch die effektvolle Einfachheit der gestalterischen Mittel ist das Wohnhaus, bis heute als solches genutzt, eines der schönsten Landhäuser der 20er Jahre in Berlin. Der jüdische Architekt Erich Mendelsohn musste 1933 Deutschland verlassen, konnte aber, anders als die meisten seiner jüdischen Kollegen, seine Laufbahn in England, Palästina und den USA fortsetzen.

23. August 2003
Sommerfest im ehemaligen Jüdischen Waisenhaus, Berlin Pankow, Berliner Straße 120/121

Anlässlich des 90‐jährigen Bestehens des Jüdischen Waisenhauses in Pankow hat der Förderverein Jüdisches Waisenhaus e.V. zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Dabei wurde eine Dokumentation über den jüdischen Architekten Alexander Beer vorgestellt, an der die Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten e.V. mitgewirkt hat. Der 1873 in Hammerstein (Westpreußen) geborene und 1944 in Theresienstadt umgekommene Architekt Alexander Beer hatte das Jüdische Waisenhaus 1913 als sein erstes grosses Gebäude realisiert. Zu seinen späteren Bauten gehören die
orthodoxe Synagoge in Kreuzberg (1913‐16), das Ehrenfeld für die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten auf dem Jüdischen Friedhof in Weissensee, die grosse Synagoge in Wilmersdorf (1928‐30), die jüdische Mädchenschule in der Auguststraße in Mitte (1930) und das Jüdische Altersheim in Schmargendorf. Ehrengast der Veranstaltung war Alexander Beers in Sydney, Australien lebende Tochter Beate Hammet.

8. September 2002
Drei Führungen zum Tag des offenen Denkmals 2002
Bauten jüdischer Architekten
Führung von Dr. Myra Warhaftig um 11:00 Uhr:  AOK‐Hauptverwaltung, Rungestr. 3‐6

Das Haus Rungestraße 3‐6 wurde 1930‐31 von dem jüdischen Architekten Alfred Gottheiner als Hauptverwaltung der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) gebaut und wird – nach Nutzung durch die Parteihochschule der SED – wieder von der AOK Berlin genutzt. Besonders beeindruckend ist die spätexpressionistische Fassade. Der in den 20er Jahren bekannte
Architekt Gottheiner erhielt nach 1933 durch die Nationalsozialisten Berufsverbot und starb in Berlin.

Führung von Dr. Günter Schlusche um 13:00 Uhr:  Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend, Taubenstr. 42‐43

Das Haus Taubenstraße 42‐43 ist seit dem Berlin‐Umzug Sitz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es wurde 1926 von dem jüdischen Architekten Moritz Ernst Lesser und seinem Partner Leopold Stelten als Geschäftshaus für die Versicherungsgesellschaft Deutscher Herold erbaut und nach schweren Zerstörungen 1951 wieder aufgebaut.
Moritz Ernst Lesser erhielt nach 1933 Berufsverbot. 1934 flüchtete er nach Lissabon. Dort verliert sich seine Spur.

Führung von Professor Manfred Sundermann um 15:00 Uhr: Mendelsohn und der
„Metallarbeiter“, Metallarbeiter‐Verband, Alte Jakob Str. 148‐155

Haus des Deutschen Metallarbeiter‐Verbandes, eingeweiht 1930, vorwiegend nach Plänen von Erich Mendelsohn erbaut, der 1933 über England und Palästina in die USA emigrierte. Modern und für seine Zeit fast einmalig grenzt es sich vom benachbarten Patentamt durch seine fortschrittliche Architektur ab. Dieses Haus, mehr ein Kommunikationsobjekt, steht in einer Linie zur Architektur des Jüdischen Museums. Am Platz gegenüber der Versuch, mit dem Willy Brandt Haus ein modernes und künstlerisches Pendant zu Mendelsohns Gewerkschaftshaus zu schaffen.

27. April 2002
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig, Dr. Günter Schlusche, Prof. Manfred Sundermann:
Bauten jüdischer Architekten in Berlin Reinickendorf

Die erste Station war die Wohnanlage (1929‐1931) von Erwin Gutkind an der Emmentaler Str. 72‐86 – Residenzstr. 21‐23 – Thurgauer Str. 12‐30. Das ebenfalls im Stil des Neuen Bauens errichtete Postamt, neben Gutkinds Wohnanlage an der Residenzstr. 24‐25 gelegen, wurde 1925‐26 vom Architekten Robert Gaedicke errichtet.
Weitere unter Denkmalschutz stehende Wohnbauten und Wohnanlagen von Erwin Gutkind sind die Flachbausiedlung „Neu‐Jerusalem“ in Spandau, die Sonnenhof‐Siedlung in Lichtenberg und der Wohnblock in Pankow. 1992 erschien im Verlag Birkhäuser das Buch „Erwin Gutkind. 1886‐1968. Architektur als Stadtraumkunst“ von Rudolf Hierl, mit einem Vorwort von Julius Posener.
Die zweite Station war die „Weisse Stadt“. 1914 wurde für das Gelände an der Aroser Allee von der Gemeinde Reinickendorf ein städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Die Preisträger waren Theodor Bulling und Max Israel. Der 1884 in Berlin geborene Architekt Max Israel erhielt nach der nationalsozialistischen Machtübernahme Berufsverbot. Sein Schicksal nach 1933 ist unbekannt. Die auch als „Großsiedlung Schillerpromenade“ bekannte Wohnanlage wurde 1929‐31 von drei Reformarchitekten entworfen: Bruno Ahrends, Otto Rudolf Salvisberg und Wilhelm Büning. Wobei jeder von ihnen etwa 400 Wohneinheiten
gestaltete. Der Gartenarchitekt der ganzen Anlage war Ludwig Lesser, der nach 1933 ebenfalls
vom Berufsverbot betroffen war.

27. November 2001
Präsentation des Faltblatts „Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933“
Akademie der Künste, Berlin Tiergarten, Hanseatenweg 10
Redner:
Professor Manfred Sundermann, Hochschule Anhalt, Dessau
Professor Jonas Geist, Universität der Künste Berlin
Franziska Eichstädt‐Bohlig, MdB, Bündnis 90/Grüne
Cornelius Hertling, Präsident der Architektenkammer Berlin
Dr. Myra Warhaftig, Architektin, Berlin

23. Juni 2001
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig, Dr. Günter Schlusche und Prof. Manfred Sundermann:

Zuerst wurde das Hebbel Theater von Oskar Kaufmann in der Stresemannstr. 29 besichtigt, das seit vielen Jahren als Gastspielhaus genutzt wird. Der Innenraum ist sehr steil gestaffelt und hat nach Aussage des Architekten Lindenmeyer, der für die vor ca. 10 Jahren durchgeführte Renovierung verantwortlich war, grosse akustische Qualitäten. Im Foyer war eine von Myra Warhaftig vor 13 Jahren zusammengestellte Ausstellung zu Oskar Kaufmann zu sehen. Zu Oskar Kaufmann als Theaterarchitekt gibt es den 1996 erschienenen Nachdruck seiner eigenen Monographie von 1928 mit einem Nachwort von Myra Warhaftig, sowie eine kürzlich erschienene Monographie von Antje Hansen, die im Gebrüder Mann Verlag Berlin erschienen
ist.
Nächste Station war das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbands von Erich Mendelsohn in der Alten Jakob Str. 148‐155, Ecke Lindenstraße, das 1929 bis 1930 erbaut wurde und heute von der IG Metall genutzt wird. Ursprünglich sollte es Teil eines größeren Ensembles sein, das westlich der Lindenstraße ein Druckereigebäude vorsah, aber nicht realisiert wurde. Markus Plagmann, der Bezirkssekretär der IG Metall, ermöglichte den Teilnehmern eine ausführliche Innenbesichtigung und zeigte im Erdgeschoss auch eine Ausstellung zur Geschichte des Gebäudes und zu Erich Mendelsohn, die nach der Renovierung des Gebäudes 1995 eingerichtet wurde.
Letzte Station war das Haus Lindenstr. 32‐34 (Ecke Feilnerstraße), das 1911/12 nach den Plänen von Curt Leschnitzer als Büro‐ und Geschäftshaus errichtet wurde (Bauherren: Salinger & Lippmann). Das Gebäude wurde schon bald zusammen mit dem Nachbarhaus Lindenstr. 35 genutzt und nach Krieg und schweren Zerstörungen 1962 gemeinsam zu einem Verwaltungsbau umgebaut, der aber unvollendet blieb. Die Ruine des Doppelhauses wurde 1987 provisorisch, aber sehr spektakulär hergerichtet, um als Ausstellungshaus für die zentrale Informationsausstellung der Internationalen Bauausstellung (IBA Berlin) genutzt zu werden. Die
leeren Fensteröffnungen wurden durch ca. 45 individuelle Fensterbauten der bei der IBA beteiligten Architekten gefüllt. Innen wurden von Mai bis Anfang November 1987 die Projekte und Demonstrationsgebiete der IBA in einer viel besuchten, attraktiven Ausstellung gezeigt.
Anschließend wurde das Gebäude als Wohnheim (Umbau Feddersen, von Herder) genutzt, zur Zeit wird es wieder umgebaut. Von der originalen Substanz ist durch die Zerstörungen und Umbauten nur sehr wenig übrig geblieben.

9. Dezember 2000
Stadtführung von Dr. Günter Schlusche und Wolfgang Holtz in Berlin Steglitz:

Erste Station war das Haus Kaulbachstr. 25 Ecke Mozartstr. 10, das 1930/31 durch die Architekten Ernst Ludwig Freud und Alexander Kurz für den Parfümeriefabrikanten Ludwig Scherk errichtet wurde (Haus Scherk). Ernst Ludwig Freud, der 1892 geborene vierte Sohn von Sigmund Freud, ist auch Architekt des Umbaus des Hauses Lindenallee 22 in Westend und der Villa Frank bei Geltow am Schwielowsee (dazu Artikel von Andreas Austillat im Tagesspiegel am 25.1.1998 und von Gerwin Zohlen in der ZEIT am 1.4.1994).
Zu Ernst Ludwig Freud, der nach 1933 Berufsverbot erhielt und nach England emigrierte, gibt es eine monographische Darstellung von Dietrich Worbs in der Bauwelt(o.D.)
Ludwig Scherk war auch Bauherr der
Parfümeriefabrik Scherk in der Kelchstr. 31 in Steglitz, die 1926 von Fritz Höger erbaut wurde, und der Parfümerie Scherk am Kurfürstendamm 231, die von Otto Rudolf Salvisberg 1927 umgebaut wurde. Das zweigeschossige, L‐förmige und streng horizontal gegliederte Haus in Lankwitz ist in Brauntönen gestrichen, hat einen mit Travertin verkleideten Eingang und einen prägnanten Abschluss nach Westen mit gerundeten Balkonbrüstungen, sowie gerundete Erker und Vordächer.
Nächste Station war das Haus Calandrellistr. 45, ein 1928/29 von Martin Punitzer für den Fabrikanten Robert Abrahamson erbautes Einfamilienhaus. Der aus mehreren kubischen Durchdringungen bestehende Baukörper ist durch mehrere Dach‐ und Gurtgesimse gegliedert. Martin Punitzer wurde 1889 in Berlin geboren und war ein sehr bekannter Architekt von Berliner Industrie‐ und Wohnbauten, der 1939 nach Chile emigrierte und 1949 in Santiago starb.
Unweit des Hauses Abrahamson steht in der Nicolaistr. 7 die 1928 von Martin Punitzer errichtete Fabrik Elektrotechnischer Messinstrumente (Robert Abrahamson GmbH). Dem gegenwärtigen originalgetreuen Umbau gingen langjährige Auseinandersetzungen voraus. Es ist aber gelungen, die Rekonstruktion mit den ursprünglichen schwarzen Fensterbändern und den olivgrünen Keramikplatten u.a. durch finanzielle Unterstützung der Stiftung Denkmalschutz zu sichern.
Zum interessanten Industriegebiet zwischen Siemensstraße und Teltowkanal gehört auch das Grundstück Siemensstr. 27 Ecke Birkbuschstr. 6, auf dem sich ein heute nicht mehr existierender Industriebau befand. Dieses Gebäude war 1932/33 letzter Standort des Bauhauses unter der Leitung von Mies van der Rohe, der das Gebäude nach der Schliessung des Bauhauses in Dessau anmietete. Allerdings kam es nur zu einem Studiensemester, bevor das Bauhaus nach einer Razzia im Sommer 1933 endgültig von den Nationalsozialisten geschlossen wurde.
Auf der nördlichen Seite des Teltowkanals (Birkbuschstr. 39) befand sich früher „Lessers Gärtnerei“. Dieses Gelände war Wohnort der Familie von Ludwig Lesser (1869‐1957), dem ersten freischaffenden Gartenarchitekten Deutschlands. Auch er wurde von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt, seiner Ehrenämter beraubt und zur Emigration nach Schweden gezwungen, wo er 1957 starb.
Nächste Station war die parallel zum Teltowkanal gelegene Wohnanlage Albrechtstr. 59‐60B, Bostellstr. 51/55 des Architekten Rudolf Maté. Die gestaffelte, leicht gekrümmte Großwohnanlage mit mehreren zum Teltowkanal zeigenden Kopfbauten ist in gutem Zustand.
Über den jüdischen Architekten Rudolf Maté ist außer seinen anderen Bauten in Wilmersdorf, Charlottenburg und Wedding wenig bekannt. Er kam in einem Konzentrationslager ums Leben.
Letzte Station war das Haus Kapp in der Leonorenstr. 53, ein Einfamilienhaus von den Brüdern Luckhardt und Alfons Anker. Die Bauten dieser Architekten, die Rolle von Alfons Anker sowie das Verhalten der Brüder Luckhardt zu ihrem jüdischen Partner Anker wurden bereits bei der Stadtführung am 30.10.1999 diskutiert. Das Haus Kapp wurde 1932 gebaut und ist ein sehr rationalistischer, strenger Bau, dessen heutige gekachelte Fassade nur wenig mit dem Originalzustand als weißer Putzbau zu tun hat.

27. Mai 2000
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig, Dr. Günter Schlusche und Prof. Manfred Sundermann in
Berlin Spandau:

Erste Station war die Siedlung Neu Jerusalem von Erwin Gutkind in Staaken, beiderseits der Heerstraße gelegen. Die aus 21 Wohnhäusern (ca. 40 Wohnungen) bestehende Siedlung befindet sich weitgehend in einem schlechten baulichen Zustand. Allerdings kann man bei einigen Häusern noch die originalen Materialien, Fenster und Beschläge finden. Andere sind durch An‐ und Umbauten verändert.
Erwin Gutkind (1886 in Berlin geboren – 1968 in Philadelphia, USA gestorben) hat dieses Projekt
1923/24 für die Gartenstadt‐Gesellschaft Bohnsdorf gebaut. Es ging ihm um einen neuen Typ von Gartenstadt mit neuer Raumbildung und einer „Addition von eigenständigen Raumkörpern“, gleichzeitig aber auch um die Verwirklichung des Gartenstadt‐Gedankens als Element einer dezentralisierten, auf Selbstversorgung bauenden Lebensweise. Daher hatten die Häuser ursprünglich auch je 800 m2 Gartenland und einen Stall, der heute als Wohnraum ausgebaut ist oder als Garage genutzt wird. Er hat dazu ein Buch publiziert, zusammen mit Josef Brix, Otto Bartning und Leberecht Migge: „Neues Bauen ‐ Grundlagen zur praktischen Siedlungstätigkeit“. Über das Werk von Erwin Gutkind gibt es eine sehr gute Monographie von Rudolf Hierl: „Erwin Gutkind 1886‐1968 – Architektur als Stadtraumkunst“, die auch die Siedlung Neu Jerusalem ausführlich dokumentiert. 1933 emigrierte er nach Paris, zwei Jahre später nach London, wo er als Regierungsbeamter und Wissenschaftler tätig war. Ab 1950 betätigte er sich publizistisch und wurde 1956 an die University of Pennsylvania, USA berufen, wo er 1968 kurz vor der Verleihung des Berliner Kunstpreises verstarb.
Nächste Station war die Gartenstadt Staaken von Paul Schmitthenner (1884‐1972), die 1914 bis 1917 für die Arbeiter der nahegelegenen Rüstungs‐ und Munitionsfabrik in Spandau gebaut wurde. Diese Siedlung, die in einem aufschlussreichen Kontrast zu dem ebenfalls der Gartenstadt‐Idee verpflichteten Projekt von Erwin Gutkind steht, ist mit ihren nach dem Muster der englischen Gartenstädte geschnittenen Straßenräumen und der traditionellen Architektur in einem guten Zustand. Paul Schmitthenner sympathisierte 1933 mit dem Nationalsozialismus und wurde 1945 aus dem Staatsdienst entlassen.

30. Oktober 1999
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig, Dr. Günter Schlusche und Peter Schmidt‐Seifert in Berlin
Zehlendorf:

Zuerst wurde das Haus Semmel in der Pacelliallee 19‐21 besichtigt, das der 1874 in Breslau geborene Architekt Adolf Wollenberg 1925/26 für den Industriellen R. Semmel errichtet hat. Die sehr großzügige und gut erhaltene Villa, zu der Herr Schmidt‐Seifert ausführliche Erläuterungen gab, liegt auf einem 20 000 m2 großen Grundstück. Sie wurde 1935 an Wilhelm Kühne (Essig‐Kühne) zwangsverkauft und 1940 an die Päpstliche Nuntiatur vermietet – aus dieser Zeit stammt der Name der Pacelliallee. Nach 1945 wurde sie als Pflegeheim der Aquinata‐Schwesternschaft, in den 70er Jahren von der Spastikerhilfe genutzt. Seit Beginn der 90er Jahre gehört die Villa als Bankhaus Partin der Göttinger Gruppe (Versicherungsunternehmen). Die Wiederherstellung der Gartenanlagen ist in vollem Gange, wird jedoch nach Auskunft von Herrn Schmidt‐Seifert in freier Interpretation des ursprünglichen Entwurfs ausgeführt, wobei er auf die den Entwürfen von Hermann Muthesius nachempfundene Beziehung zwischen Haus und Garten hinwies. Zu den Gartenanlagen hat Herr Schmidt‐Seifert eine Dokumentation angefertigt.
Die nächste Station war das Haus Miquelstr. 66‐68, das der 1878 in Berlin geborene Architekt Bruno Ahrends 1911 für sich und seine Familie errichtet hat. Seit 1999 wurde es von Bundespräsident Johannes Rau und seiner Familie als Wohnhaus genutzt. Neben den Erläuterungen von Peter Schmidt‐Seifert gab es noch den Hinweis auf die Darstellung des Hauses in dem Buch „Bundeshauptstadt Berlin“ von Ulf Meyer. Im wiederhergestellten Garten steht ein von Gesine Weinmiller entworfenes kleines Nebengebäude für Wachpersonal in Form eines Pyramidenstumpfes. Die Teilnehmerin Frau Ruth Pätsch berichtete von ihrer Kindheit im gegenüberliegenden Haus Miquelstr. 6, das 1912 von ihrer Familie bezogen wurde. Das Haus
wurde ebenfalls von Bruno Ahrends entworfen.
Dann ging es zu den Häusern in der Schorlemer Allee 7 – 23a, 1925‐30 erbaut, Schorlemerallee 12‐12c von 1929‐30 und Schorlemerallee 14 (1936‐38), die von Hans und Wassili Luckhardt & Alfons Anker entworfen wurden. Nach den Erläuterungen Myra Warhaftigs zur Architektur dieser Reihenhäuser und zu den Architekten trat Hans Luckhardt 1933 in die NSDAP ein, und der jüdische Architekt Alfons Anker floh 1939 nach Schweden, wo er nicht wieder an seine Laufbahn als Architekt anknüpfen konnte. Das Haus Schorlemer Allee 14 mit seinem von der Straße her kaum wahrnehmbaren Satteldach, das auch als Rückschritt und Anpassung
interpretiert werden könnte, gibt Anlass zu einer interessanten Polemik über die Unvermeidlichkeit des Anpassungsdrucks in dieser Zeit und über den Zusammenhang von Politik und Kultur.
Letzte Station war das Haus Schorlemer Allee 16, das sogenannte Kupferhaus, das von den Hirsch‐Messing‐Werken aus Eberswalde gebaut wurde. Für diesen Häusertyp mit vorgefertigten Metallelementen als Fassadenverkleidung hat Walter Gropius 1931 einen Musterentwurf gemacht, der auch bei diesem Haus zu erkennen ist. Hier sind die Metall‐Verkleidungen weiß angestrichen. Myra Warhaftig weist noch auf eine Veröffentlichung hin: „Warum Kupferhäuser für Palästina?“.

30. Oktober 1999
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig, Dr. Günter Schlusche und Peter Schmidt‐Seifert in Berlin-Wilmersdorf:

Die Führung begann mit der Villa Harteneck in der Douglasstr. 7‐9, einem Haus des 1874 in Breslau geborenen Architekten Adolf Wollenberg. Das Innere des Hauses konnte nicht betreten werden, wohl aber der denkmalgeschützte Garten, der 1981 bis 1985 mit öffentlichen Mitteln wiederhergerichtet wurde und nun eine öffentliche Grünanlage ist. Das Haus ist in sehr gutem Zustand und wird unter anderem als Konsulat und hochwertiges Bürogebäude genutzt. Peter Schmidt‐Seifert, der als Gartenarchitekt mit der Rekonstruktion der Außenanlagen beauftragt war, gab aufschlussreiche Erläuterungen zur Gliederung des Gartens und zum Zusammenwirken von Architektur und Landschaftsplanung. Dr. Hedwig Wingler wies auf einen anderen Bau von Adolf Wollenberg hin, den Anbau zur Klinik von Dr. Schlomer in Charlottenburg, Ulmenallee 35‐37.
Nächste Station war das Haus Douglasstr. 15/17 (Villa Epstein), ein expressiv gestalteter Bau des bekannten Theaterarchitekten Oskar Kaufmann (1873 in Neu St. Anna, Ungarn geboren und 1956 in Budapest gestorben). Dr. Myra Warhaftig zeigte Fotos der ursprünglichen Innenarchitektur des Hauses, das äußerlich sehr gut wiederhergestellt ist, aber leer zu stehen scheint. Peter Schmidt‐Seifert wies darauf hin, dass es in diesem Bezirk kaum Architekturen der klassischen Moderne gibt.
Dann ging es zum Haus Douglasstr. 18, einem Landhaus der frühen Moderne der Architekten Breslauer und Salinger. Das Haus ist ebenfalls in sehr gutem Zustand. Der 1866 in Berlin geborene Architekt Alfred Breslauer war vor 1900 Mitarbeiter im Büro von Alfred Messel und starb 1954 in der Schweizer Emigration in Zürich. Paul Salinger wurde 1865 in Berlin geboren und kam 1942 in Theresienstadt um.
Danach wurde das Haus Gottfried von Cramm‐Weg 33/37 besichtigt, die sehr großzügige Villa des Fabrikanten Dr. Moritz Konschewski, die 1922/23 ebenfalls von Oskar Kaufmann erbaut wurde. Das zugleich mit seinem sehr großen Garten denkmalgeschützte Haus auf einem 9500 m2 großen, zum Hundekehlesee hin abfallenden Grundstück ist außerdem mit einer Remise bebaut worden, die – wie das gesamte Haus – aufwendig modernisiert und zu Wohn‐ und Bürozwecken ausgebaut wurde.
In der Gustav Freytag Str. 9 steht ein sehr gut restauriertes, unter Denkmalschutz stehendes Haus des Architekten Berthold Bleier, das er 1923 errichtet hat. Dr. Myra Warhaftig berichtete, dass trotz intensiver Recherchen über den jüdischen Architekten Bleier kaum etwas in Erfahrung zu bringen ist. Er war Mitglied im Bund Deutscher Architekten und wurde 1933 aus der neugebildeten Reichskulturkammer ausgeschlossen.
Etwas weiter, in der Gustav Freytag Str. 15, befindet sich das 1928/29 für die Familie A.L.Zissu von dem 1884 in Moskau geborenen Architekten Michael Rachlis gebaute Haus, der auch vor allem als Innenarchitekt gewirkt hat. Er starb 1952 in London. Diese Villa, als eines der wenigen Häuser der klassischen Moderne dieses Viertels erbaut, ist äußerlich in einem perfekten Zustand. Beeindruckend ist die Verwendung des Travertins für die Fensterbänder an der Strassenfassade.
Anschliessend wurden noch drei Häuser in der Hagenstraße besichtigt, zuerst Nr. 8 an der Ecke Klindworthsteig, die von Max Landsberg 1910 erbaute Villa des Bildhauers Alexander Oppler.
Max Landsberg wurde 1878 in Berlin geboren, war Mitglied des Architekten‐ und Ingenieurvereins und des Bundes Deutscher Architekten, sowie des Deutschen Werkbundes und starb 1930 in Berlin.
Das Haus Hagenstraße 30 (Landhaus Schlesinger) wurde 1910/11 von den Architekten Erich Rosenwald und Max Riesenfeld gebaut. Erich Rosenwald, 1871 in Berlin geboren, beging 1942 mit seiner nicht jüdischen Frau Selbstmord. Beide sind auf dem Friedhof Weissensee begraben. Vom Schicksal Max Riesenfelds, der 1880 in Rakwitz bei Posen geboren wurde, ist wenig bekannt. Er wurde am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und ist dort verschollen. Architekt des Hauses Hagenstraße 30 (Haus Henckell) war Paul Zucker, Bauherr der Kaufmann Moritz Stein. Der Kunsthistoriker und Architekt Professor Paul Zucker wurde 1888 in Berlin
geboren, flüchtete 1934 aus Deutschland und starb 1971 in New York.

17. November 1998
Architektur in Palästina 1918 – 1948
Arbeiten deutschsprachiger jüdischer Architekten
Eine Dokumentarausstellung hergestellt und konzipiert von Myra Warhaftig
Veranstalter: Förderverein Deutsches Architekturzentrum e.V., Jüdische Gemeinde zu Berlin, Goethe‐Institut Tel Aviv, Israel und die Schussheim Foundation Haifa, Israel
Begrüßung und Ansprachen:
Sybille Fanelsa, Kuratorin
Dr. Andreas Nachama, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
Prof. Dr. Christoph Stölzl, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums
Wolfgang Nagel, Ehem. Senator für Bau‐und Wohnungswesen des Landes Berlin
Dr. Günter Schlusche, Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger
jüdischer Architekten  e.V.
Dr. Myra Warhaftig, Architektin

Die Ausstellung „Architektur in Palästina 1918 – 1948. Arbeiten deutschsprachiger jüdischer Architekten“ setzt den Schwerpunkt auf die Dokumentation des architektonischen Werkes von 114 deutschsprachigen Architekten, die in den 20er Jahren und nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland verließen und nach Palästina auswanderten, um dort ihre Arbeit fortzusetzen. Ihre Bauten, die sie im Stil des „Neuen Bauens“ errichteten, sollten das neue Leben in der neuen Heimat zum Ausdruck bringen.
Das Deutsche Architektur Zentrum präsentiert diese Ausstellung vom 18. November 1998 bis 16. Januar 1999 montags bis samstags von 10:00 bis 18:00 Uhr. Zu diesem Thema ist das Buch „Sie legten den Grundstein“ von Myra Warhaftig im Wasmuth Verlag erschienen und ist anstelle eines Katalogs zum Preis von DM 98,‐ im Deutschen Architektur Zentrum erhältlich.
Deutsches Architekturzentrum
Köpenicker Straße 48/49
10179 Berlin

25. Oktober 1998
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig und Dr. Günter Schlusche in Berlin-Wilmersdorf:

Die Führung begann vor dem Haus an der Konstanzer Str. 26‐27, Ecke Ruhrstr. 12a und Ecke Mansfelder Straße, das von dem 1892 in Posen geborenen Architekten Harry Rosenthal als Landhaus 1923/24 für Eugen Bab und dessen Familie gebaut wurde. Das Landhaus im expressionistischen Stil ist mit reichhaltigem Ziegelmauerwerk vor allem im Erdgeschoss,an den Ecken und den Dachaufbauten ausgestattet. Anhand alter Fotos konnten die Teilnehmer einen Eindruck von dem ursprünglichen Innenausbau gewinnen, den Harry Rosenthal selbst entworfen hatte. Dazu gehörten ein privater Synagogenraum, ein Vestibül mit Fries, sowie ein eigenes Schwimmbad. Das Gebäude ist äußerlich intakt, aber renovierungsbedürftig. Das Dach ist in vereinfachter Form erhalten, die Putzflächen der Fassade sind dunkel gestrichen. Auch wurden nachträgliche Einbauten, wie die Ladengeschäfte an der Konstanzer Straße im breiten Sockelgeschoss und andere Fensterprofile vorgenommen.
Bei einer kurzen Innenbesichtigung wurde festgestellt, dass das Vestibül durch den Einbau einer Zwischendecke stark verändert und das Fries nicht mehr vorhanden ist.
Zweite Station war das Haus Münstersche Str. 14, das 1926 als „Landhaus Frauboes“ von dem Architekten Wilhelm Zeev Haller – 1884 in Gleiwitz geboren, 1956 in Tel Aviv gestorben – für eine wohlhabende Familie gebaut wurde. Dieses eher unauffällige Gebäude steht unter Denkmalschutz. Es wird heute von der Senatsverwaltung für Schulwesen genutzt.
Dritte Station war die Wohnanlage Albrecht Achilles Str. 9‐13, Cicerostr. 49‐49A, Paulsborner Str. 82‐85, Westfälische Str. 23‐26. Diese sehr umfangreiche, einen ganzen Block einnehmende Anlage wurde von dem 1882 in Berlin geborenen und 1958 in Lissabon gestorbenen Architekten Moritz Ernst Lesser in den Jahren 1929/30 erbaut und steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Sie hat mehrere Treppenaufgänge und ist wegen der rechtwinkligen Rücksprünge in der Bauflucht und der homogenen Gestaltung recht bemerkenswert. Über den Architekten Moritz Ernst Lesser gibt es eine zeitgenössische Monographie in der Reihe „Neue Werkkunst“. Ein weiterer Bau von ihm ist das ehemalige Haus des „Deutschen Herold“ in der Taubenstraße in Berlin
Mitte, das zur Zeit umgebaut wird und für das Bundesfamilienministerium genutzt werden soll.

26. September 1998
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig in Berlin-Wilmersdorf:
Die Führung begann in der Berkaer Str. 31‐35 vor dem 1930 von dem Architekten Alexander Beer erbauten ehemaligen Jüdischen  Altersheim, das heute eine Klinik für Geriatrie des Max Bürger Zentrums für Sozialmedizin, Geriatrie und Altenhilfe ist.
Rechts neben dem Eingang findet sich eine Bronzetafel, die auf die Geschichte des Gebäudes und den Architekten hinweist, der 1873 in Hammerstein geboren ist und 1944 im KZ Theresienstadt ums Leben kam. Das Gebäude ist ein langgestreckter Bau mit expressionistischem Klinkermauerwerk in den unteren Geschossen und weißen Putzflächen in den Obergeschossen. Es befindet sich in einem guten Zustand und entspricht auch heute noch den funktionalen Anforderungen.
Zweite Station war das Haus des Tennisclubs Grunewald e.V. am Flinsberger Platz 8, das von Oskar Kaufmann 1923 als „Haus einer jungen Dame“ erbaut wurde. Dabei handelte es sich um die Tochter des Generaldirektors Dr. Moritz Konschewski, für den Oskar Kaufmann 1922/24 einHaus in Berlin Grunewald, Gottfried von Cramm Str. 33‐37 gebaut hat. Das Haus ist heute in einem sehr guten, allerdings stark veränderten Zustand und wird als Vereinsheim des Tennisclubs genutzt. Innen ist sehr wenig vom ursprünglichen Zustand erhalten, allerdings sind im Treppenhaus Bilder des Originalbaus aufgehängt. Die äußeren Veränderungen betreffen die Fenster, die Brüstungen und insbesondere den Dachstuhl, der früher rund geschwungen war und in der Mitte einen kreisförmigen Aufsatz hatte (daher der Name „Tintenfass“ für das Haus). Er wurde aus unbekannten Gründen entfernt, und das Haus hatte lange Zeit ein Flachdach. Der
jetzige Dachstuhl, ein Walmdach mit Gauben, hat nichts mit dem originalen Dachstuhl zu tun.Die Gartenanlagen wurden bis auf den Vorgarten vollständig in Tennisplätze umgewandelt.
Dritte Station war das Mietshaus in der Salzbrunner Str. 27/29 (Haus Simon), das 1928 von dem Architekten Harry Rosenthal erbaut wurde. Harry Rosenthal wurde 1892 in Posen geboren und starb 1966 in London, nachdem er 1933 nach Palästina geflüchtet war. Das Haus ist offensichtlich im ursprünglichen Zustand gut erhalten. Es handelt sich um ein langgestrecktes, dreigeschossiges Mietshaus (Zweispänner) mit mehreren Treppenhäusern und Hauseingängen, die mit ihren gewölbten Glasbausteinfenstern die elegante Fassade gliedern. Auch zur Gartenseite dominieren die Fensterbänder und die gewölbten Balkonbrüstungen.

18. Oktober 1997
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig und Dr. Hedwig Wingler in Berlin-Westend:

Zuerst wurde das große Wohnhaus in der Riehlstr. 4‐6, Ecke Dresselstr. 1 besichtigt, das der Architekt Curt Leschnitzer 1925/26 erbaut hatte. Eigentümer war die Charlottenburger Baugenossenschaft GmbH (damalige Adresse Eosanderstr. 4), die heute noch Eigentümer mit einem Büro in der Dresselstr. 1 ist.
Curt Leschnitzer wurde 1877 in Tarnowitz geboren und ist 1959 in Berlin gestorben.
Zweite Station war das Mietshaus mit Geschäften im Erdgeschoss in der Riehlstr. 10, Ecke Wundtstr. 58‐60, das 1928 ebenfalls von dem Architekten Curt Leschnitzer errichtet wurde.
Der Eigentümer von 1928 hieß Wilhelm Ahlmann, wohnhaft in der Droysenstr. 9.
Dritte Station war das „Junggesellenhaus“ mit Großgarage in der Fredericiastr. 2‐3, ein der Moderne zuzuordnendes Mietshaus, das der Architekt Rudolf Maté 1930/31 erbaut hat und in dem er auch später wohnte.
Alle drei besichtigten Gebäude sind gut erhalten.
Anschließend wurden noch die Villa Am Rupenhorn 6 – Erich Mendelsohns eigenes Wohnhaus, das er von 1929‐30 erbaut hat – sowie die beiden Häuser Am Rupenhorn 25 und 26 besichtigt, die die Brüder Luckhardt und Alfons Anker 1928 als Stahlskelettbauten errichtet hatten. Die Führung endete an der Villa Dr. Sternefeld, erbaut 1923/24 von Erich Mendelsohn.

16. August 1997
Stadtführung von Dr. Myra Warhaftig und Dr. Hedwig Wingler in Berlin-Westend:

Der erste Rundgang zu Bauten jüdischer Architekten in Berlin Westend führte zu dem Gebäude von Erich Mendelsohn (1887 Allenstein – 1953 San Francisco) am Karolingerplatz 5‐5A und zum Mietshaus von Georg Caro (?‐?), das er 1931/32 am Karolingerplatz 4 errichtet hat.
Nächste Station war das Haus von Arthur Wolff in der Alemannenallee 4 – 5 und die beiden Wohnhäuser von Curt Leschnitzer (1877 Tarnowitz – 1959 Berlin) in der Heerstr. 28, das 1923/24 erbaut wurde, und in der Platanenallee 36 / Reichsstr. 17. Weiterhin wurde ein Haus in der Lindenallee 16 besichtigt, das Max Landsberg (1878 Berlin – 1930 Berlin) umgebaut hatte, sowie ein Haus in der Lindenallee 22, dessen Umbau auf den Architekten Ernst Ludwig Freud (1892 Wien – 1970 London), den Sohn des Begründers der Psychoanalyse Sigmund Freud, zurückgeht.

10. November 1996

Buchpräsentation während der Jüdischen Kulturtage 1996
„Sie legten den Grundstein. Leben und Wirken deutschsprachiger jüdischer Architekten in Palästina 1918 – 1948“ von Myra Warhaftig, 1996 Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen, Berlin