Tag des offenen Denkmals 2019
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Unter reger Beteiligung fand der Rundgang der Gesellschaft zum diesjährigen TAG DES OFFENEN DENKMALS statt.
Das Motto des diesjährigen Denkmaltages, der bundesweit
am 7. und 8. September 2019 stattfand, war:
Modern(e) Umbrüche in Kunst und Architektur
Obschon die Wohngebäude Onkel Tom Straße 63, 65, 67 in Berlin-Zehlendorf in ihrer äußeren Erscheinung kaum auf gewaltige architektonische Umbrüche hinweisen, haben wir diese drei Gebäude ausgewählt, um sie unter dem vorgegebenen Motto vorzustellen.
Der Entwurfsverfasser Alexander Klein, geboren 1879 in Odessa, verstorben 1961 in New York, hat sich während seines Aufenthaltes in Deutschland zwischen 1920 und 1933
in umfangreichen Studien, die er in einschlägigen Fachzeitschriften publizierte, mit der Grundrissorganisation von Kleinwohnungen beschäftigt.
Er entwickelte den Typus der flurlosen Wohnung, in der die einzelnen Räume ihrer Nutzung entsprechend zusammengefasst sind. Das Ziel war eine Reduzierung der erforderlichen Wohnfläche pro Familie und damit die Senkung des Mietpreises.
Die besichtigten Gebäude sind exemplarisch für die Arbeiten Alexander Kleins, in ihnen kulminieren seine langjährigen Forschungen, und es sind die letzten Entwürfe, die er vor seiner Flucht aus Deutschland realisieren konnte.
Sie gehören zur Mustersiedlung der Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten (Gagfah), die anlässlich deren 10-jährigen Bestehens für Familien des unteren Mittelstandes errichtet wurde.
Heinrich Tessenow verantwortete den Masterplan, der Geschosswohnungsbau, Reihenhäuser und Einfamilienhäuser entlang der Straße Am Fischtal vorgibt.
Die Gründerin unserer Gesellschaft, Myra Warhaftig, war Schülerin von Alexander Klein, als sie am Technion in Haifa studierte. Sie übertrug, während ihrer Tätigkeit in Berlin, die in seinen Lehrveranstaltungen gewonnenen Erkenntnisse auf ihren Forschungsgegenstand und die Entwurfsüberlegungen zu ihrem hier realisierten Wohnungsbauprojekt.
An der Besichtigung nahm eine sehr interessierte Gruppe von etwa 20 Personen teil, von denen einzelne mit konstruktiven Beiträgen die Unterzeichnende kongenial unterstützten. Von unserer Gesellschaft nahmen ebenfalls Jutta Sartory und Sebastian Klarhöfer teil.
So gestaltete sich die Veranstaltung bei schönstem Wetter äußerst lebendig.
In den Blick genommen wurde nicht nur die Kubatur der Gebäude, sondern exemplarisch auch die ihnen zugrunde liegenden Grundrisse, die in Kopie jedem Teilnehmer zur Verfügung gestellt wurden.
Mit der Inaugenscheinnahme eines Gebäudes von Heinrich Tessenow, das ebenfalls in der Siedlung hervorsticht, endete die Führung.
Marie – Josée Seipelt

