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Führung zum Haus Dr. Weidlich
Berlin Dahlem, Am Hirschsprung 50a, Architekt Hans Wormann
Aufgrund von über 70 Anmeldungen wurden am 13. September 2025 zwei aufeinanderfolgende Führungen angeboten, die von Sebastian Klarhoefer und Claudia Marcy durchgeführt wurden. Beide Führungen fanden starken Zuspruch und die Teilnehmenden zeigten großes Interesse am Haus und am Schicksal des jüdischen Architekten.
Das in der Berliner Denkmalliste unter dem Namen Haus Dr. Weidlich eingetragene Wohnhaus wird in der Fachliteratur als Haus Dannenbaum erwähnt. Durch Einsichtnahme in die Bauakten konnte dieser scheinbare Widerspruch geklärt werden. Das villenartige Einfamilienhaus aus dem Jahr 1931 wurde von dem jüdischen Architekten Hans Norbert Wormann geplant und ist heute im Besitz der Bundesrepublik Deutschland. Bauherr war der jüdische Kaufmann Fritz Dannenbaum, der Eigentümer des Grundstücks war Dr. Weidlich, der zur Bauzeit das benachbarte Grundstück bewohnte.
Aus den Bauakten geht hervor, dass Fritz Dannenbaum das Haus 1941 verkauft hat, nachdem er bereits zwei Jahre zuvor nach London emigriert war und dort den Namen Frederic Dannen angenommen hatte. Bemerkenswerterweise befindet sich das Haus weitgehend im bauzeitlichen Originalzustand, zumindest was die äußere Gestaltung anbetrifft. Hierzu wurden im Verlauf des Vortrages die Fassaden und Grundrisse vorgestellt, ausgehend von den Originalzeichnungen des Architekten im Bauantrag. Nach einer baugeschichtlichen Einordnung des Wohnhauses entstand eine lebhafte Diskussion unter den Teilnehmenden, ob das Gebäude als „Bauhaus-Architektur“ bezeichnet werden könne.
Leider konnte das Grundstück nicht betreten werden um die Gartenfront zu besichtigen, da das Haus von Angehörigen der amerikanischen Botschaft bewohnt wird, die auf unsere Kontaktaufnahme nicht reagiert hatten.
Anschließend wurde das Leben und Werk des Architekten Hans Wormann vorgestellt, der der Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus durch Auswanderung in die USA entgehen konnte. Ihm war es bereits 1933 gelungen mit Frau und Kind nach New York auszureisen und so dem Berufsverbot für Architekten jüdischer Herkunft zu entgehen. Hans Wormann wurde 1898 in Berlin geboren und war damit zum Zeitpunkt seiner Emigration erst 34 Jahre alt. Im Gegensatz zu vielen anderen deutschsprachigen jüdischen Architekten gelang ihm die Fortsetzung seiner beruflichen Tätigkeit im Exil und er konnte bis Mitte der 1970er Jahre in New York als selbständiger Architekt und Interior Designer arbeiten.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde ein weiteres Werk des Architekten besichtigt, das sich in fußläufiger Entfernung in der Straße Am Vogelsang befindet. Dieses Mehrfamilienhaus weist eine deutlich traditionellere Architektursprache auf und ist erst auf den zweiten Blick als Werk von Hans Wormann zu erkennen.
Text: Sebastian Klarhöfer

